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Abendmahlskanne
Ernst Riegel
um 1910
Aus Kannen wie dieser schenkt man bei der Feier des Abendmahls in christlichen Gottesdiensten Wein aus. Ernst Riegel gestaltete die Kanne, die aus Messing besteht und innen vergoldet ist. Ein waagrechtes Schmuckband, leicht ins Kanneninnere versetzt und von einem Wellenband gesäumt, umgibt den kugeligen Körper, der auf einem Fuß ruht. Es unterteilt das Gefäß optisch in zwei Hälften, deren Oberflächen jeweils in acht Felder gegliedert sind. Der lange, zylinderförmige Hals mündet auf einer Seite in einen ausgezogenen Ausguss. Gegenüber befindet sich ein ohrenförmiger Henkel mit gezackten Kanten, der sich nach unten verjüngt.
Ein gewölbter Deckel mit einer Ablagefläche für den Daumen (Daumenruhe) schließt die Kanne. Auf dem Deckel thront ein Kreuz, das auf einer sechsblättrigen Rosette fußt.
Riegel entwarf die Kanne 1907 oder 1908 im Rahmen seines Vorhabens, schlicht gestaltete liturgische Gegenstände für weniger vermögende protestantische Gemeinden herzustellen. Einer Notiz Riegels zufolge war die Kanne „gemacht für Waldülfersheim vom Pfarrer wieder zurückgegeben. Die Abendmahlskanne dann angekauft vom Kunstgewerbemuseum Frankfurt a.M. [heute Museum Angewandte Kunst]“. Vermutlich wurde sie daher nie oder nur selten in einem Gottesdienst verwendet.
Riegel begann 1887 eine Lehre als Ziseleur und studierte ab 1890 bei Fritz von Miller (1840-1921) an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München. Ab 1895 arbeitete er in Millers Werkstatt. Dort trat er mit der Gestaltung von liturgischen Gegenständen, Pokalen (vgl. Inv. Nr. 5069), Medaillen und Schalen (vgl. Inv. Nr. St.248) hervor. Ab 1906 gehörte er der Darmstädter Künstlerkolonie an. 1912 ernannte ihn die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Köln schließlich zum Professor für Goldschmiedekunst. 1933 entließen ihn die Nationalsozialisten und diffamierten ihn als Künstler.
Titel
Abendmahlskanne
Beteiligte
Ernst Riegel (Künstler) GND
Datierung
um 1910 (Herstellung)
Geografischer Bezug
Herstellungsort: Darmstadt
Material / Technik
Messing, gegossen, ziseliert; Filigran
Maße
Höhe:
32 cm
Objektbezeichnung
Sammlungsbereich
Inventarnummer
5065
Creditline
Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main
Zugang
Ankauf; 28.04.1910; Prof. Ernst Riegel, Darmstadt
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